Alexa Kriele
 

Wie ist die Arbeit mit den Engeln einzuordnen?
 

Meine Bücher sind für Menschen bestimmt, die für christliche Mystik offen sind. Moderne Mystik unterscheidet sich von Theologie, Esoterik und Wissenschaft, umfaßt aber Elemente aller drei Bereiche.
 


1. Mit der Theologie ist sie insofern verwandt, als sie bewußt in der christlichen Tradition steht. In dieser sind von Anfang an drei Stränge miteinander verflochten: der liturgische, der theologische und der mystische. (Dazu Wie im Himmel und auf Erden Bd. IV S. 152-161). Liturgie, die Feste des Jahreskreises, das Credo, die Sakramente, das Gebet, die Segnung wären ohne Mystik gar nicht verständlich und müßten verdorren. Diese artikuliert sich in der Geschichte immer von neuem in mystischen Erfahrungen, und zu diesen gehören der direkte und bewußte Verkehr einzelner Menschen mit der Welt der Engel.

Doch die Mehrzahl der heutigen deutschsprachigen Theologen behandelt die Schriften der Mystiker wie Ausstellungsstücke im Museum der Kirchengeschichte. Ihre inhaltlichen Aussagen gelten als überflüssig, soweit sie die dogmatischen Vorgaben bestätigen, und als fragwürdig, soweit sie darüber hinausgehen. Man nimmt an, daß sich die Engel - wenn es sie denn geben sollte - zurückgezogen hätten, um den Theologen das Feld zu überlassen.

Lebendige moderne Mystik ist also in den Kategorien des heutigen Bildungssystems nicht vorgesehen. Sie ist aber da, und zwar mitten im praktischen Leben der modernen Welt.
 


2. Mit der Esoterik verbindet die moderne Mystik, daß es auch dort mancherlei Literatur gibt, die auf Engel zurückgeführt wird. Doch da fehlt es oft an der Unterscheidung der Geister. Es gibt zahlreiche trübe Wesen aus der Sphäre der Trugbilder, die sich als Engel oder gar als Gott ausgeben. (Ein Beispiel bei "Wie im Himmel so auf Erden" Bd. III S. 18 f.) Das ist ein Problem, mit dem sich viele Mystiker auseinandersetzen mußten. Sie entwickelten klare Kriterien zur Unterscheidung der Geister. Diese sind dargestellt im Nachwort zum
1. Band und im Vorwort zum 3. Band von "Wie im Himmel so auf Erden", auf die ich verweise.

Ergänzend möchte ich hervorheben, daß Engel nicht "channeln", d.h. sie bedienen sich nicht eines Menschen als Instrument. Vielmehr sprechen sie zu zwar ehrfürchtigen, aber selbstbewußten, fragenden Menschen, wie es die Bibel öfters schildert und wie es auch die christlichen Mystiker immer wieder berichtet haben. Sie konzentrieren sich auf das, was für die Lebensgestaltung in der konkreten Situation wesentlich ist.

In meinen privaten Engelstunden geht es meist um persönliche Lebenssituationen, von denen ich nichts wissen kann. Die Fragenden zeigen sich wieder und wieder verblüfft über die genauen Kenntnisse der Engel und die heilsamen Wirkungen ihres Rates.
 


3. Für die Wissenschaft ist charakteristisch, daß ihre Erkenntnisse für jeden Menschen einsichtig sind, der über gesunden Verstand und die erforderlichen Fachkenntnisse verfügt. Die Darlegungen der Engel hingegen leuchten nur Menschen ein, die für eine solche Erkenntnisquelle überhaupt offen sind, häufig aufgrund eigner Erlebnisse.

Das schließt nicht aus, daß die Engel zu wissenschaftlichen Fragen Stellung nehmen. Die Erkenntnisse z.B. der Astronomie, der Evolutionslehre, der Genforschung, der Tiefenpsychologie oder der Hirnforschung sind den Engeln vertraut, wie wir oft mit Erstaunen feststellten. Doch die Engel erläuterten, daß die entscheidenden Einfälle der Forscher und Entdecker oftmals auf Inspirationen zurückgehen. In der modernen Welt sind wir nicht weniger von Fügungen und Inspirationen begleitet als in früheren Zeiten, wir sind uns dessen nur weniger bewußt.

Die Engel fügten ihre Äußerungen meist in den weltbildlichen Verständnishorizont der Zeit ein und korrigierten ihn nicht, wissend, daß er nur ein vorläufiger ist. Lesen wir Heutigen z.B. das Buch Scivias - Wisse die Wege - der Hildegard von Bingen, so mag uns befremden, daß es die damaligen kosmologischen Vorstellungen einfach voraussetzt. Mystik hat aber nicht die Aufgabe, die Erkenntnisse vorwegzunehmen, die die Forschung erst noch zu erarbeiten hat.

Die Wissenschaften haben zwar viele antike und mittelalterliche Weltvorstellungen revolutioniert, gerade damit aber die weltbildlichen Grundfragen neu gestellt. Deshalb können sich die Engel nicht mehr mit kurzen, aufrüttelnden Mahnungen und Warnungen begnügen. Es bedarf auch ausführlicher Darlegungen, die auf Fragen eingehen und vieles von Grund auf neu erklären. Moderne Mystik ist Aufklärung über den Bereich, der den Methoden der Wissenschaften von vornherein nicht zugänglich ist, z.B. Fragen nach dem Woher und Wohin des Ganzen und nach dem Sinn unseres Daseins (s. z.B. Die Engel geben Antwort auf Fragen nach dem Sinn des Lebens, 2002).

Da begnügen wir uns damit, daß ihre Aussagen plausibel, wahrscheinlich und widerspruchsfrei sind, einen hohen Erklärungswert für die tatsächlichen Gegebenheiten haben, sich der Tradition der großen Weisheitsliteratur zwanglos anfügen und durch die wissenschaftlichen Forschung in keinem Punkt in Frage gestellt sind. Es gibt Wissenschaftler, die in diesen Bereich übergreifen, indem sie weltbildliche Schlußfolgerungen ziehen, die sich aus den ermittelten Tatsachen in Wirklichkeit gar nicht ergeben. (Beispiele erörtert Martin Kriele in: Gott und die Vernunft - Kann ein vernünftiger Mensch ungläubig sein? 2008). Doch da handelt es sich nicht um Wissenschaft, sondern um Weltanschauung. Abweichende Vorstellungen solcher Art sind zwar zu respektieren, aber für uns kein Gegenbeweis.

Die weltbildlichen Grundfragen lassen sich durch philosophische oder theologische Spekulationen nicht klären. Für Atheisten und Skeptiker erledigen sich diese Fragen, indem sie sie einfach nicht mehr stellen und sich auf das wissenschaftlich Erkennbare beschränken. Sie meinen entweder, die Welt auf diese Weise verstanden zu haben, oder sie finden sich damit ab, daß sie nicht verstehbar sei. Die von ihnen beherrschte "Moderne" hat mehr Wissen erlangt als je zuvor, aber den Weg zur Weisheit verloren.
 


Was die Engel durch ihre Darlegungen wollen ist:

erstens
 
aufklären, erhellen, erläutern, auf Zusammenhänge hinweisen, den
Horizont erweitern, über das Verstehen Verständnis wecken,
zweitens wirken, fügen, lösen, an der Erlösung mitarbeiten,
drittens Menschen an ihre Macht, ihre Rechte und ihre Pflichten erinnern,
viertens sie lehren, ihre Freiheit zu leben und sie auch zu genießen,
fünftens
 
Menschen dazu bringen, sich und das Leben, das sie geführt haben,
nicht zu verurteilen, sondern aus vertiefter Einsicht heraus umzukehren und die Zukunft zu gestalten.